Die Begegnung mit Berggorillas zählt zu den bewegendsten Naturerlebnissen unserer Zeit – das wissen viele. Doch nur wenige wissen, dass Ruanda nicht nur eines der besten Länder weltweit für Gorilla Trekking, sondern auch einer der wenigen Orte ist, an dem man Schimpansen in freier Wildbahn erleben kann.

Beide Primatenarten leben zurückgezogen in geschützten Regionen des Landes – die Gorillas im Volcanoes Nationalpark, die Schimpansen im Nyungwe Forest. Wer sich beidem nähert, erlebt zwei vollkommen unterschiedliche Welten: Die ruhige Präsenz der Gorillas, tief in sich ruhend, fast weise – und den impulsiven, lauten Bewegungsdrang der Schimpansen, quirlig, fordernd, oft nur in Bruchteilen von Sekunden sichtbar.

Dieser Artikel bietet Einblicke, die über klassische Reiseberichte hinausgehen: Was Sie vor dem Trekking wissen sollten, warum ein Permit mehr als nur ein Ticket ist – und wie tiefgreifend diese Begegnungen tatsächlich sind.

GORILLA TREKKING – STILLE NÄHE INMITTEN DES REGENWALDS

Die wichtigste Regel: Ein Gorilla Trekking ist keine touristische Show, sondern ein respektvolles Annähern an eine bedrohte Spezies in ihrem natürlichen Lebensraum. Schon am Vorabend wird man einer Trekkinggruppe zugeteilt – basierend auf dem aktuellen Aufenthaltsort einer Gorilla-Familie und der körperlichen Verfassung der Gäste. Leicht bedeutet nicht „einfach“ – auch flachere Routen verlangen Trittsicherheit, Ausdauer und Offenheit für unvorhersehbare Bedingungen.

Am Tag des Trekkings geht es früh los. Die Guides erklären das Verhalten, üben mit uns Grunzlaute zur nonverbalen Kommunikation mit den Tieren und geben letzte Hinweise: Rucksäcke und Stöcke müssen draußen bleiben, Mundschutz ist Pflicht – nicht wegen uns, sondern zum Schutz der Tiere.

Für rund 20 USD kann ein Träger engagiert werden – ein Beitrag zur lokalen Wertschöpfungskette, der vielen nur einmal pro Woche Arbeit ermöglicht. Es ist eine einfache, aber wirkungsvolle Form der Teilhabe – und trägt zum langfristigen Erhalt der Tiere bei.

WAS VIELE NICHT WISSEN – FASZINIERENDES ÜBER BERGGORILLAS

  • Sie sind Pflanzenfresser.
    Auch wenn ihr Kiefer kraftvoll wirkt – Gorillas ernähren sich rein vegetarisch. Ihre Leibspeise: junge Bambustriebe. Ein Silberrücken frisst täglich bis zu 30 Kilogramm davon.

  • Sie mögen keine Bananen.
    Ein weitverbreiteter Irrtum: In freier Wildbahn interessieren sich Gorillas nicht für die Früchte, sondern höchstens für die Fasern der Staude.

  • Sie sind nicht aggressiv.
    Die imposante Erscheinung täuscht: Gorillas sind friedliche, soziale Wesen. Sie verteidigen ihre Gruppe, aber meiden Konflikte – mit Artgenossen wie mit Menschen.

DIAN FOSSEY  – DIE FRAU, DIE DEN GORILLAS IHRE STIMME GAB 

Die heutige Schutzpolitik der Gorillas ist das Vermächtnis von Dian Fossey. Die amerikanische Zoologin widmete ihr Leben dem Erhalt der Tiere, lebte und forschte jahrelang in Ruanda – bis zu ihrer Ermordung 1985, mutmaßlich durch Wilderer.

Ihre Geschichte bleibt lebendig:

  • Im Filmklassiker „Gorillas im Nebel“,

  • im Dian Fossey Museum nahe Musanze,

  • und auf dem Gorilla-Friedhof bei ihrer alten Forschungsstation, wo sie neben ihrem Lieblingsgorilla Digit beigesetzt ist.

Wer über uns bucht, unterstützt automatisch den Dian Fossey Gorilla Fund, dem ein Teil der Permit- und Lodgeeinnahmen zufließt.

SCHIMPANSEN TREKKING – ENERGIE, BEWEGUNG, WILD

Im Kontrast zu den Gorillas, die sich häufig am Boden aufhalten und durch ihre ruhige Präsenz beeindrucken, erleben wir beim Schimpansen Trekking ein ganz anderes Spektrum.

Im Nyungwe Forest, einem der ältesten Bergregenwälder Afrikas, leben mehrere Schimpansen-Gruppen. Sie sind scheuer, unberechenbarer – und meist in den Baumkronen unterwegs. Sie zu entdecken, erfordert Geduld, gute Kondition und Gelassenheit.

Was sie so besonders macht:

  • Sie sind ständig in Bewegung.
    Hüpfend, kletternd, laut kreischend – selten verweilen sie lange an einem Ort.

  • Sie sind schwer zu sehen, aber deutlich zu hören.
    Ihr Kommunikationsverhalten ist expressiv, teils ohrenbetäubend – ein Erlebnis für alle Sinne.

  • Sie leben in schwierigem Terrain.
    Der Nyungwe Forest ist geprägt von steilen Hängen und dichtem Bewuchs – das Tracking ist körperlich herausfordernder als bei den Gorillas, aber landschaftlich spektakulär.

GUT ZU WISSEN

  • Permits sind limitiert: Pro Tag dürfen nur wenige Besucher eine Gorillagruppe sehen – maximal eine Stunde pro Gruppe. Für Schimpansen ist die Zahl ebenfalls begrenzt. Frühzeitige Buchung ist unerlässlich.

  • Beste Reisezeit: Die Trockenzeiten von Juni bis September und Dezember bis Februar bieten die besten Bedingungen für beide Trekkings.

  • Empfohlene Kombination: Volcanoes Nationalpark (Gorillas), Nyungwe Forest (Schimpansen) und – als Ruhepol – der Kivu-See.

ZWEI WELTEN, EIN GEMEINSAMES STAUNEN

Wer in Ruanda sowohl den Gorillas als auch den Schimpansen begegnet, erlebt zwei völlig unterschiedliche Facetten des Lebens im Regenwald. Das eine ist still, berührend, archaisch. Das andere ist wild, fordernd, energetisch.

Was beide verbindet: der Respekt, den sie in uns auslösen. Und die Erkenntnis, dass der Schutz dieser Tiere keine abstrakte Idee ist – sondern eine konkrete Entscheidung, die mit jeder Reise getroffen werden kann.